image-e1617464251649 Über die Arbeit im Impfzentrum: Leiter Peter Zeugträger im Interview

Herr Zeugträger, rund 15.000 Menschen könnten in Bremen jeden Tag gegen Corona geimpft werden. So groß sind insgesamt die Kapazitäten in den Messehallen auf der Bürgerweide und in der Strandlust in Vegesack. Wie viele Bremer werden tatsächlich geimpft? 

Im Moment ist der Impfstoff so knapp, das wir nicht annähernd in Richtung 15.000 kommen. Wir können ungefähr nur 1.500 Menschen am Tag impfen.

Wann erhalten Sie mehr Impfstoff?

Dazu kann ich nichts sagen. Darauf haben wir keinen Einfluss. Das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter sind nur Betreiber des Impfzentrums. Ich kann immer nur sagen, was in einer Woche, maximal in zwei Wochen kommt.

Sie betreiben die Impfstationen in den Messehallen 4 und 5, die Johanniter die in Halle 7. Wer spritzt welchen Stoff?

In Halle 4 und 5 ausschließlich den Impfstoff von Biontech, in Halle 7 ausschließlich den von Astra-Zeneca. Das haben wir uns nicht ausgesucht, das hat sich so ergeben.  Auch die Leute, die zum Impfen kommen, können nicht zwischen den Impfstoffen wählen.

Kommt vor Ostern auch noch der Impfstoff von Johnson & Johnson?

Wann er kommt, kann ich nicht sagen, vor Ostern auf keinen Fall.

Halten denn alle Leute ihren Impftermin ein oder haben Sie am Ende des Tages Impfdosen übrig?

Nein, wir haben keine Reste. Die Zahl der Terminabsagen ist verschwindet gering. Es kommen sogar Menschen, die gar keinen Termin haben. Die müssen wir leider wegschicken.

Direkt vor dem Impfen werden die Personen über mögliche Nebenwirkungen und Risiken aufgeklärt. Wie viele verzichten nach solch einem Gespräch doch noch aufs Impfen?

Da ist mir kein Fall bekannt. Bisher haben sich alle, die mit Termin zu uns gekommen sind, auch impfen lassen. Die Leute sind froh, dass sie geimpft werden. Es kommen ja jetzt vor allem ältere Menschen, sie sind sich des Risikos bewusst, wenn sie sich mit dem Corona-Virus infizieren würden.

Wie viel Zeit muss jemand mitbringen, der zum Impfen kommt?

Mit anderthalb Stunden sollte man schon rechnen. Am Eingang wird die Temperatur gemessen. Alle Personen, die mehr als 37,5 Grad Celsius haben, setzen wir erst einmal kurz an die Seite. Dass die Temperatur erhöht ist, muss ja nicht auf Fieber hindeuten. Grund kann die Aufregung sein oder jemand stand vorher lange in der Sonne. Bei Frauen kann es auch an der Schminke liegen. Denn die meisten Cremés sind fetthaltig, die heizen die Haut schneller auf. Nach dem Temperaturmessen werden am Check-In die Personalien aufgenommen, dann folgt das Aufklärungsgespräch. Nach dem Impfen bleiben die meisten noch 15 Minuten zur Beobachtung im Ruhebereich, Menschen mit Vorerkrankungen auch 30 Minuten. Bisher gab es dort nie Probleme.

Das Rote Kreuz ist für die Hallen 4 und 5 verantwortlich, die Johanniter für die Halle 7. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Wir haben eine  gute Zusammenarbeit. Die Johanniter haben ja vor uns angefangen und schon länger Erfahrungen gesammelt. Sie können uns sagen: Wenn ihr das so und so macht wie wir anfangs auch, dann ist das suboptimal. Macht es lieber so. Und in Halle 6 betreiben wir ein Testzentrum, das auch die Johanniter durchlaufen. Jeder Beschäftigte im Impfzentrum wird alle drei Tage getestet.

Kooperieren Sie auch mit der Initiative „Bremen impft“, die Unternehmen gegründet haben?

Die Initiative macht bei uns nicht mit. Sie konzentriert sich auf die Arbeit in Halle 7 und dort hauptsächlich auf den Check-out. Außerdem betreibt die initiative das Callcenter und das macht sie hervorragend.

Warum hilft sie nicht auch Ihnen?

Man hat sich entschieden, die Bereiche zu trennen. Aber es gibt noch Schnittstellen, weil wir mit Personaldienstleistern zusammenarbeiten, die im entferntesten zur Zech-Gruppe gehören und somit etwas mit der Initiative zu tun haben. Die stellen uns zum Beispiel Personal, das impfen darf. Außerdem haben wir natürlich die Bremische Schwesternschaft des Roten Kreuzes eingebunden. Insgesamt haben wir 140 Beschäftigte hier im Einsatz. Wir haben sie befristet bis zum 31. August dieses Jahres eingestellt.

Und dann sind alle Bremer geimpft?

So hofft man es. Am 8. September soll die Hanse Life beginnen und zwar in allen sieben Messehallen. So hat es die Messegesellschaft M3B vor rund drei Wochen angekündigt.

Interview im Weserreport vom 28. März 2021 

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung vom Weserreport)